News2019-01-14T18:56:13+00:00

Wie interpretiert man ein Spermiogramm richtig?

Ein Spermiogramm ist das Ergebnis einer Ejakulatanalyse zur Beurteilung der Zeugungsfähigkeit des Mannes. Wir helfen Ihnen in Folge die einzelnen Parameter eines  Spermiogrammes richtig zu interpretieren.

Wenn ein Paar einen Spezialisten für assistierte Reproduktion aufsucht, besteht der erste Schritt darin, eine Diagnose zu stellen und die Indikation für die Behandlung festzulegen. Das Spermiogramm dient zur Planung und Indikationsstellung von Behandlungen mit assistierter Reproduktion und bei unerfülltem Kinderwunsch mit Verdacht auf männliche Unfruchtbarkeit. Die Untersuchungsergebnisse des Mannes sind grundsätzlich genauso wichtig wie die der Frau. In etwa 30% der Fälle wird eine in vitro Fertilisation (IVF) aufgrund eines männlichen Faktors durchgeführt. Bei Männern ist ein Spermiogramm bzw. eine Samenanalyse also eine Basisuntersuchung.

„Ein Spermiogramm ist ein diagnostischer Test der normalerweise durch Ejakulation gewonnenen Samenprobe, mithilfe derer das Fruchtbarkeitspotenzial des Mannes ermittelt werden kann“, erklärt Dr. med Andreas Abraham. „Es handelt sich dabei um eine Untersuchung, bei der die Spermienqualität anhand verschiedener von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2010 festgelegter Referenzwerte bewertet wird“. Im Folgenden werden wir Ihnen helfen ein Spermiogramm richtig zu interpretieren.

  1. Bestätigung der Ergebnisse

Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Werte verschiedener Proben unterschiedlich ausfallen können. Aus diesem Grund wird dazu geraten, ein bis drei Monate nach Abgabe der ersten Probe eine zweite Probe zur Analyse ins Labor zu geben. So können die Ergebnisse – egal, ob positiv oder negativ – bestätigt werden.

  1. Referenzwerte

In einem Spermiogramm werden die folgenden Parameter untersucht und nach den WHO Normwerten  klassifiziert:

Menge: Eine durch Ejakulation erhaltene Spermaprobe gilt als normal, wenn die Spermienmenge mindestens 1,5 Milliliter (ml) beträgt.

pH-Wert: Dieser Wert misst  den Säure- oder Basengehalt der Samenprobe und sollte mindestens 7,2 betragen. Abweichungen können auf Fehlfunktionen der Prostata oder der Samenbläschen hinweisen.

Spermienkonzentration: Damit ist die Anzahl der Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit gemeint. Normal sind mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter.

Gesamtzahl der Spermien: In einer normalen Probe sind insgesamt mindestens 39 Millionen Spermien zu finden. Dieser Wert wird zwar in die Analyse miteinbezogen, eine weitaus höhere Bedeutung hat jedoch die Spermienkonzentration.

Beweglichkeit: Damit ist die Beweglichkeit der Spermien gemeint. Man unterscheidet drei Kategorien:

  1. Progressiv beweglich: Progressiv bewegliche Spermien sind in der Lage, sich nach vorne zu bewegen und somit auch den Weg durch die Eileiter bis hin zur Eizelle zurückzulegen.
  2. Lokal beweglich: Nur lokal bewegliche Spermien bewegen sich nicht nach vorne fort, sondern nur im Kreis.
  3. Unbeweglich: Unbewegliche Spermien sind nicht zur Fortbewegung fähig.

Laut den WHO Richtlinien sollten mindestens 32% aller Spermien im Ejakulat progressiv beweglich sein.

Vitalität: Dieser Wert gibt den Prozentsatz an lebenden Spermien im Ejakulat an. Dieser sollte bei mindestens 58% liegen.

Leukozyten: Eine Probe gilt als normal, wenn sie maximal eine Million Leukozyten (weiße Blutkörperchen) pro Milliliter aufweist. Ein höherer Wert kann auf eine Infektion hinweisen.

Morphologie: Mindestens 4% aller Spermien sollten eine normale Form (Morphologie) aufweisen.

Weitere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen, sind die Farbe (die Probe sollte homogen und von grau-schillernder Farbe sein) und die Viskosität (eine sehr hohe Viskosität kann die Beweglichkeit der Spermien beeinträchtigen).

Man sollte stets unterstreichen, daß auch wenn das Spermiogramm oder einzelne Parameter nicht im Normbereich sind, die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht, wenngleich die Wahrscheinlichkeit geringer ist. „Umgekehrt ist ein normales Spermiogramm keine Garantie für eine Schwangerschaft“, gibt Dr. Abraham zu bedenken.

  1. Mögliche Krankheitsbilder

Wenn die Ergebnisse des Spermiogramms „positiv“ ausfallen, spricht man von einer Normozoospermie.

Beispiele für pathologische Spermiogramme sind Azoospermie (Abwesenheit von Spermien im Ejakulat), Oligozoospermie (Spermienkonzentration liegt niedriger als der Referenzwert) oder Necrozoospermie (Anzahl der Lebendspermien liegt niedriger als der Referenzwert) handeln.

Besondere Erwähnung sollte hier die Asthenozoospermie finden, da sie das „am häufigsten auftretende Krankheitsbild“ darstellt. In diesem Fall liegt die Beweglichkeit der Spermien unter den Standardwerten, was es schwieriger macht, dass sie bis zur Eizelle durchdringen und sie befruchten können.

Assistierte Reproduktion:

Sogar in Fällen schwerer Fehlfunktionen bieten die Techniken der assistierten Reproduktion verschieden Behandlungsmöglichkeiten und Lösungen an, um mit dem Sperma des Partners eine Schwangerschaft herbeizuführen.

Ausnahmen sind einige spezielle Fälle von Azoospermie oder Aspermie. Sollte tatsächlich  keine Möglichkeit bestehen, das Sperma des Partners zu verwenden, bleibt immer noch die Option einen Samenspender zu verwenden.

„In jedem Fall  hängt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nicht ausschließlich von den Werten des Spermiogramms ab“.

Grundsätzlich gilt, daß die Wahrscheinlichkeit ein Kind zu zeugen sich nicht auf Basis der  Werte im  Spermiogramm bzw. der Anzahl der Spermien „extrapolieren“ lässt. Die Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft zu erzielen hängt zu einem großen Maß von der Qualität der Eizellen und damit dem Alter der Frau ab.

„Die Anamnese beider Partner, das Alter der Frau und die Zeit, seit der das Paar versucht, eine Schwangerschaft herbeizuführen, sind wichtige Faktoren in Bezug auf die Fruchtbarkeit eines Paares“, betont Dr. Abraham.