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Eine typische Woche - Aus den Erfahrungen einer Kinderwunschberaterin - Teil 1

Katharina Horn

veröffentlicht am 01. März 2022

Mein Name ist Katharina Horn. Ich bin Kinderwunschberaterin (BKiD) und Expertin für Solomutterschaft. Ich möchte hier mal eine typische Arbeitswoche vorstellen.

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Montag

Heute Vormittag habe ich zwei Beratungsgespräche. Als erstes sucht mich ein heterosexuelles Paar auf. Martin und Susanne (Namen sind natürlich geändert) wollen ein Kind mit Samenspende bekommen. Martin sei leider nicht in der Lage, Kinder zu zeugen. Viele Klient*innen kommen zu mir, weil die Klinik dies für die weitere Behandlung voraussetzt oder dringend empfiehlt. Wir sprechen über die Behandlungsmethode, die eigenen Grenzen und über einen Fahrplan auf der Kinderwunschreise, die Auswahl der Samenbank und des Samenspenders, über die Kinderwunschzeit als Paar und ganz wichtig: über die Aufklärung des Kindes. "Wann und wie klären wir unser Kind auf? Was passiert, wenn es in der Kita gemobbt wird?" fragt Susanne. "Wie gehen wir mit Vorurteilen um?" Martin hat keine Probleme damit, auch offen über seine eigene Fruchtbarkeitsstörung zu sprechen, nur Susanne hadert noch. "Was sollen die Leute denken?"

Als nächstes spreche ich mit Anna und Klara. Die beiden möchten ein Kind durch Samenspende bekommen. Nach mehreren Versuchen mit einem privaten Samenspender, "wollen wir es jetzt professionell angehen. Zumal die Möglichkeiten größer sind." "Wer weiß, welche Qualität das Sperma unseres Privatspenders hat?" fügt Anna hinzu. "Jetzt wollen wir nicht mehr länger warten." Leider mussten die beiden schon sehr negative Erfahrungen sammeln, bevor es überhaupt losging. Auf ihrer Suche nach einer Klinik, die sie behandelt, konnte die Person, mit der Anna am Telefon gesprochen hat nicht mal das Wort "lesbisch" aussprechen. Nicht jede Klinik behandelt queere Paare und nicht jede Klinik, die solche Paare behandelt, schreibt dies auch offen auf ihre Website. Doch nun haben Anna und Klara endlich eine Klinik gefunden, fühlen sich willkommen und stecken mitten in der Spendersuche fest. "Wie soll man da rangehen?" Für Klara, die das Kind bekommen soll, ist der Prozess merkwürdig. Während die Möglichkeit, bei der Spendersuche viele Kriterien auszuwählen für viele besonders hilfreich ist, führt dies bei Anderen eher zu einer ethischen Überforderung - so auch für Klara. Zu viel Auswahl heißt auch, ich muss mehr entscheiden. Wichtig ist es, die eigene Strategie bei der Spenderwahl zu finden, die ganz individuell ist und zu der einzelnen Person bzw. zum Paar passt. Wir erarbeiten ein individuelles Vorgehen und reflektieren kritische Gedanken bei der Auswahl.

Die dritte Klientin Lisann sagt für heute ab. Sie müsse erst eine OP machen, dies habe sie erst heute erfahren. Auch das kommt nicht selten vor. Denn der Weg zu Kinderwunschklinik offenbart manchmal auch, was vorher nicht bekannt war: eine unbehandelte Schilddrüsenerkrankung, PCOS, Endometriose, .... Ich nutze die Zeit für die Büroorganisation. Dies bleibt bei der umfangreichen Arbeit nicht aus. Zwischendrin melden sich vier Frauen, die ein Beratungsggespräch wünschen, alle vier Frauen sind alleinstehend. Alle möchten einen Nachmittagstermin - für mich als Solomutter mit einer durch Corona eingegrenzten Kitaschließzeit nicht so leicht umzusetzen. Doch bisher gab es immer eine Lösung. Das E-Mailpostfach platzt. Neben Terminanfragen meldet sich auch die Presse. Menschen bieten mir ihre Kooperationen an. Hin und wieder tauchen auch zwielichtige E-Mails auf. So schreibt ein privater Samenspender: "Für jedes Paar, das Sie mir vermitteln, biete ich Ihnen bis zu 1000 € an." Nein Danke.

Dienstag

Heute morgen starte ich mit 2 Terminen, Silvia 31 möchte Solomutter werden. Auch sie benötigt einen Schein für die Klinik. Neben den üblichen Themen geht es in diesem Gespräch um die Bedeutung ihres noch jungen Alters. Silvia muss sich immer anhören "Willst Du es nicht noch mal versuchen?". Silvia fragt sich, wieviele sinnlose Onlinedates sie noch hintersichbringen muss, um gesellschaftlich endlich die Erlaubnis zu erhalten, sich mit 31 Jahren als alleinstehende Frau ihren Kinderwunsch erfüllen zu dürfen.

Dann spreche ich mit Lara. Lara ist 24 Jahre alt und beschreibt sich als asexuell. Sie wünscht sich eigentlich schon immer Kinder. Was ihren Weg der Solomutterschaft angeht, so steht sie in dem Konflikt, sich immer wieder für ihre Asexualität outen zu müssen. Denn mit 24 Jahren "nicht auf einen Partner warten zu wollen "- das wirft Fragen auf. Über ihre Asexualität hat sie bis heute mit keiner Person gesprochen.

Zeit für ein wenig Social Media. Viele Klient*innen kommen über die Kliniken. Aber immer mehr Personen freunden sich über die sozialen Medien häppchenweise mit diesem Thema an. Zudem sind soziale Medien auch wichtig, mehr Sichtbarkeit für die Familienform der Solomutterschaft herzustellen. Heute zapfe ich das Communitynetzwerk an, um einer Bitte einer Klientin nach Kontakt nachzukommen. Es melden sich drei Personen. Ich freue mich und vermittle den Kontakt.

Mittwoch

Heute spreche ich u.a. mit Bianka. Bianka steht noch sehr am Anfang ihres Weges. Sie möchte abwägen: welcher Weg passt zu mir: Solomutterschaft nach Samenbankspende, durch private Samenspende oder Co-Elternschaft. Wir gehen gemeinsam alle drei Modelle durch und wägen Vor- und Nachteile entsprechend ihrer persönlichen Situation ab. Bianka stellt fest: sie ist nicht so weit und braucht noch Zeit. Aber sie hat nun eine Idee, wie es weiter gehen könnte.

Katharina horn

Suchst Du auch Beratung, Austausch oder gemeinsame Reflektion? Möchtest Du den Weg der Samenspende gehen, Solomutter werden? Ich begleite Dich auf Deinem individuellen Weg. Auch Paare sind herzlich willkommen.

www.kiwu-beratung.de

Oder sprecht mich auf den Kinderwunsch Tagen in Berlin vom 26. - 27. März an. Kostenlose Tickets gibt es hier.

Weiter geht es in Teil 2...

 


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